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28. August 2026 | Allgemein

Nachhaltige Waldwirtschaft zwischen Nutzung und Walderhalt


Forstmaschine bei der Holzernte in einem bewirtschafteten Wald

Deutschland besitzt rund 11,5 Millionen Hektar Wald, der Lebensraum, Erholungsgebiet und Rohstoffquelle zugleich ist. Auf rund 87 Prozent der Waldfläche ist Holznutzung grundsätzlich uneingeschränkt möglich. Zwar wächst Holz nach, aber alleine diese Tatsache macht den Rohstoff nicht nachhaltig. Wichtig ist, wie der Wald bewirtschaftet wird und wie er sich über Jahre und Jahrzehnte entwickelt.

Was bedeutet nachhaltige Waldwirtschaft?

In der Forstwirtschaft arbeitet man mit ungewöhnlich langen Zeiträumen. Zwischen der Verjüngung eines Bestandes und der späteren Nutzung einzelner Bäume können Jahrzehnte liegen. Entscheidungen von heute beeinflussen damit einen Wald, den erst kommende Generationen in seiner weiteren Entwicklung erleben werden. Genau darin liegt der Kern nachhaltiger Waldwirtschaft: Holz kann genutzt werden, ohne dabei die biologische Vielfalt, die Produktivität des Waldes sowie seine Schutz- und Erholungsfunktionen auf Dauer zu gefährden.

Dieser Grundgedanke findet sich auch im deutschen Waldrecht. Nach § 11 Bundeswaldgesetz soll Wald im Rahmen seiner Zweckbestimmung ordnungsgemäß und nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Länder müssen unter anderem Regelungen vorsehen, nach denen kahlgeschlagene Waldflächen oder stark verlichtete Bestände innerhalb angemessener Frist wieder aufgeforstet oder ergänzt werden, wenn eine ausreichende natürliche Wiederbestockung ausbleibt.

Nachhaltigkeit beschreibt damit keinen unveränderlichen Zustand. Ein Wald entwickelt sich fortlaufend. Bäume wachsen und sterben ab, junge Bäume kommen hinzu und äußere Einflüsse wie Trockenheit, Sturm oder Schädlinge verändern die Bestände. Nachhaltige Bewirtschaftung betrachtet diese Entwicklung langfristig.

Waldverjüngung durch Naturverjüngung und Pflanzung

Wälder können sich durch Naturverjüngung selbst erneuern. Dabei entstehen junge Bäume aus den Samen vorhandener oder benachbarter Bäume. Diese Form der Waldverjüngung spielt in Deutschland eine große Rolle. Nach der vierten Bundeswaldinventur entstehen 91 Prozent des jungen Waldes aus Naturverjüngung, also ohne gesonderte Saat oder Pflanzung. Eine gezielte Pflanzung kann dennoch notwendig oder sinnvoll sein, wenn beispielsweise nach größeren Waldschäden nicht genügend geeignete junge Bäume vorhanden sind oder zusätzliche Baumarten in einen Bestand eingebracht werden sollen.

Die verbreitete Vorstellung „ein Baum wird gefällt, ein neuer wird gepflanzt“ beschreibt die tatsächlichen Vorgänge im Wald daher nur unzureichend. Viel wichtiger ist, ob sich eine geeignete nächste Waldgeneration entwickelt.

Holzzuwachs, Nutzung und Waldentwicklung

Holzzuwachs und Holznutzung sind wichtige Kennzahlen für nachhaltige Waldwirtschaft. Zwischen 2012 und 2022 wuchsen in Deutschlands Wäldern jährlich durchschnittlich 101,5 Millionen Kubikmeter Holz nach. Die jährliche Holznutzung lag im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 72,6 Millionen Kubikmetern Rohholz.

Aus diesen beiden Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der Holzvorrat entsprechend zugenommen hat. Denn Bäume sterben auch infolge von Trockenheit, Sturm oder Insektenbefall ab. Zusammen mit der Holznutzung wird dies in der Bundeswaldinventur als Abgang erfasst. Dieser lag zwischen 2012 und 2022 mit durchschnittlich rund 110,1 Millionen Kubikmetern pro Jahr über dem Zuwachs.

Gerade die vergangenen Jahre zeigen damit, warum nachhaltige Waldwirtschaft nicht auf die einfache Rechnung „Es wächst mehr nach, als genutzt wird“ reduziert werden kann. Neben der Holzmenge zählt auch, in welchem Zustand sich die Bestände befinden und wie gut sich der Wald nach Nutzung und Schäden weiterentwickeln kann.

Welche Rolle spielen Baumarten und Klimawandel?

Nachhaltige Waldbewirtschaftung muss berücksichtigen, welche Baumarten langfristig mit den Bedingungen eines Standortes zurechtkommen. Boden, Wasserverfügbarkeit, Höhenlage und Klima beeinflussen, welche Arten sich dort entwickeln können.
Mischbestände können dabei helfen, Risiken zu verteilen. Reagiert eine Baumart besonders empfindlich auf Trockenheit, Schädlinge oder andere Belastungen, können andere Arten einen Teil der Waldfunktionen weiter erfüllen. Ein Mischwald ist deshalb aber nicht automatisch nachhaltig, die Baumarten müssen auch zum Standort passen.

Wie wichtig diese Anpassungsfähigkeit ist, zeigen die vergangenen Jahre. Die Fichte hat zwischen den beiden letzten Bundeswaldinventuren rund 17 Prozent ihrer Fläche verloren. Als wesentliche Ursachen gelten Sturm, Trockenheit und die anschließende starke Vermehrung von Borkenkäfern. Insgesamt wurden zwischen 2012 und 2022 auf rund zwei Millionen Hektar Waldfläche sogenannte Kalamitäten festgestellt. Der Umbau hin zu geeigneten und widerstandsfähigen Waldbeständen ist deshalb zu einem wichtigen Bestandteil langfristiger Waldbewirtschaftung geworden.

Buntspecht an einem abgestorbenen Baumstamm im Wald

Totholz und alte Bäume als Teil des Ökosystems

Nachhaltige Waldwirtschaft bedeutet nicht, jedes wirtschaftlich nutzbare Stück Holz aus dem Wald zu entfernen. Alte Bäume, abgestorbenes Holz und Bäume mit Höhlen, Rissen oder anderen besonderen Strukturen können wichtige Lebensräume bieten.

Totholz wird beispielsweise von zahlreichen Pilzen und Insekten genutzt und ist Bestandteil natürlicher Stoffkreisläufe. Nach der vierten Bundeswaldinventur befinden sich durchschnittlich 29,4 Kubikmeter Totholz je Hektar in Deutschlands Wäldern. Insgesamt wurden außerdem rund 83 Millionen Bäume mit ökologisch bedeutsamen Merkmalen wie Spechthöhlen oder Pilzkonsolen erfasst.

Holz möglichst sinnvoll nutzen

Nachhaltige Holznutzung endet nicht mit der Frage, wie ein Baum im Wald gewachsen ist. Auch die weitere Verwendung des Rohstoffs spielt eine Rolle. Das Prinzip der Kaskadennutzung sieht vor, Holz möglichst lange und mehrfach stofflich zu verwenden, bevor es am Ende seiner Nutzungskette energetisch verwertet wird. So kann ein geeigneter Stamm zunächst beispielsweise als Bauholz dienen und Holz aus späteren Verarbeitungsstufen weiter genutzt werden.

Für Brennstoffe sind deshalb auch Holzreste und Nebenprodukte der Holzverarbeitung relevant. Gleichzeitig lässt sich nicht jedes Holz sinnvoll stofflich nutzen. Qualität, Dimension und Zustand bestimmen mit, welcher Verwendungsweg infrage kommt. Nachhaltige Holznutzung betrifft damit nicht nur die Menge des eingeschlagenen Holzes, sondern auch die möglichst effiziente Verwendung des Rohstoffs.

Zertifizierungen für nachhaltige Waldwirtschaft

Zu den bekanntesten Systemen gehören PEFC und FSC, die beide mit definierten Standards für die Waldwirtschaft arbeiten. Daneben gibt es die sogenannte Chain-of-Custody-Zertifizierung für Unternehmen entlang der Produktkette. Sie dient dazu, entsprechend zertifizierte Materialströme vom Wald über Verarbeitung und Handel nachvollziehbar zu machen.

Wie PEFC und FSC funktionieren und worin sie sich unterscheiden, erklären wir ausführlich im Beitrag PEFC oder FSC? Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Zertifikate. Eine Einordnung verschiedener Qualitäts- und Herkunftszertifizierungen bei Brennstoffen finden Sie außerdem unter Zertifizierungen für Brennstoffe: ENplus, DINplus, FSC & PEFC.

Fazit

Bei nachhaltiger Waldwirtschaft geht es also nicht nur darum, wie viel Holz nachwächst und entnommen wird. Naturverjüngung, standortgerechte Baumarten, Waldschäden, Lebensräume und die spätere Verwendung des Holzes gehören ebenfalls dazu. Holznutzung und Walderhalt sind dabei keine Gegensätze. Nachhaltig wird die Nutzung dort, wo der Wald auch über Jahrzehnte seine unterschiedlichen Funktionen erfüllen kann und der gewonnene Rohstoff verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Häufige Fragen zur nachhaltigen Waldwirtschaft

Woran erkenne ich Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft?

Eine Orientierung bieten anerkannte Wald- und Produktkettenzertifizierungen wie PEFC oder FSC. Beim Kauf lohnt sich ein genauer Blick darauf, worauf sich eine Kennzeichnung tatsächlich bezieht und ob die Herkunft des Holzes nachvollziehbar angegeben wird. Ein Nachhaltigkeitssiegel sollte dabei nicht mit einem Qualitätszertifikat für die technischen Eigenschaften eines Brennstoffs verwechselt werden.

Ist regionales Holz automatisch nachhaltiger?

Kurze Transportwege können ein Vorteil sein, machen Holz allein aber noch nicht nachhaltig. Ebenso wichtig sind die Bewirtschaftung des Herkunftswaldes, die Verarbeitung und die spätere Nutzung. Regionalität und nachhaltige Waldwirtschaft sind deshalb zwei unterschiedliche Kriterien, die sich sinnvoll ergänzen können.

Was bedeutet Kaskadennutzung bei Holz?

Bei der Kaskadennutzung wird Holz möglichst effizient und gegebenenfalls mehrfach verwendet. Geeignetes Holz kann zunächst stofflich genutzt werden, etwa als Bau- oder Werkstoff. Reststoffe aus der Verarbeitung oder Holz am Ende einer Nutzungskette können anschließend für andere Zwecke bis hin zur energetischen Verwertung eingesetzt werden.

Ist Schadholz automatisch Brennholz?

Ob Holz nach Sturm, Trockenheit oder Schädlingsbefall noch stofflich genutzt werden kann, hängt unter anderem von Holzart, Zustand und Qualität ab. Ein Teil des Schadholzes kann weiterhin als Bau- oder Industrieholz geeignet sein. Erst wenn eine höherwertige Verwendung nicht sinnvoll oder möglich ist, kommt unter anderem eine energetische Nutzung infrage.